Nachthimmel in Irland

Zur Fotografie des Nachthimmels sollte man Gegenden mit möglichst geringer Lichtverschmutzung aufsuchen. Da Irland im Vergleich zu Deutschland nur sehr dünn besiedelt ist, bietet sich eine Irlandreise geradezu an, auch ein paar Aufnahmen des Nachthimmels zu schießen.

Dark Sky

In Irland leben nur etwa 4,5 Millionen Einwohner. Auf die Fläche verteilt und im Vergleich mit Deutschland ist die Bevölkerungsdichte in Irland nur etwa ein Viertel der Dichte in Deutschland. Dazu kommt, dass bereits im County Dublin etwa 1,3 Millionen Einwohner leben. Der Rest des Landes besteht also aus sehr viel grüner Wiese, Felsen, Weiden, Kühen, Schafen und ein paar Dörfern und kleineren Städtchen. Selbst die größten Städte neben Dublin muten im Vergleich zu den uns bekannten deutschen Großstädten eher wie größere Dörfer an. Dennoch gibt es alle Annehmlichkeiten (z.B. Pubs, Einkaufsstraßen, Fußgängerzonen) und Nachteile (wie Verkehr, Lärm) einer Großstadt.

Sofern man sich also nicht gerade in unmittelbarer Nähe einer solchen Stadt befindet, ist die Lichtverschmutzung nur sehr gering oder sogar gar nicht mehr wahrnehmbar. In Irland regnet es, entgegen der landläufigen Meinung, gar nicht so oft und der Himmel ist auch nicht ständig mit grauen tiefhängenden Wolken bedeckt. Daher hat man sehr gute Chancen auf einen tollen klaren Nachthimmel und einen super Blick auf die Sterne unserer Milchstraße.

In Irland gibt es ganze Landstriche, die zu den internationalen Dark-Sky-Reserve-Areas zählen (Halbinsel Kerry). Bei entsprechendem Sonnenwind lassen sich von hier aus sogar regelmäßig Nordlichter beobachten. Leider hatten wir nicht das Glück welche zu sehen.

Die Location

Diese Chance auf tolle Nachtaufnahmen wollten wir direkt an unserem ersten Abend in Irland nutzen. Nach unserer Fahrt von Dublin zur Westküste nach Kinvara und Einchecken in unserer schönen Unterkunft war es sowieso zu spät noch etwas in einen Pub essen zu gehen. Meist wird nur bis 21:00 Uhr Essen serviert und es war bereits später. Also mussten wir mit Muffins und Keksen Vorlieb nehmen – wir hatten aber auch unterwegs bereits eine Kleinigkeit gefuttert. Also fiel uns der Verzicht auf ein ordentlichen Abendessen nicht so schwer.

Schon während unserer Autofahrt konnten wir den wunderschönen, klaren Abend- und Nachthimmel bewundern. Wir suchten uns nun über dunkle abgelegene Straßen, die gerade breit genug für ein Auto waren, einen Ort, um ein paar Aufnahmen des irischen Nachthimmels Ende Oktober schießen zu können. Etwa drei Kilometer südlich von Kinvara stoppten wir dann zwischen ein paar einsamen und unbeleuchteten Bauernhäusern und Kuhweiden.

Im Norden von uns waren am Horizont noch sehr schwach Lichtemissionen von Kinvara zu erkennen. Es war recht kühl und wir waren froh, dass wir unsere Winterausstattung (dicke Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe) dabei hatten. Nachdem wir uns ein paar Minuten im Dunkeln befanden und die Augen die Gelegenheit hatten, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, bot der Nachthimmel einen atemberaubenden Anblick.

Obwohl Ende Oktober nur noch die sehr schwachen Außenbereiche unseres Milchstraßenarms zu sehen sind, war das Band unserer Galaxie deutlich am Himmel zu erkennen. Die Sternenfülle war so groß, dass wir Mühe hatten, die Sternbilder zu erkennen. Selbst die hellsten Sterne der Sternbilder gingen in dem Gewimmel am Himmel unter. Es war kein Mond am Himmel und dennoch reichte alleine das Licht der Sterne aus, um unser Fotoequipment aufbauen zu können.

Unsere Ausstattung

Mittlerweile haben wir uns etwas mehr Equipment für die Nachtfotografie zugelegt:

Stirnlampe mit Rotlichtfunktion Black Diamond Spot: Wichtig ist, dass man direkt zum Rotlicht wechseln kann, ohne vorher das weiße Licht anzuschalten. Das erhält die Dunkeladaption der Augen

Timer Ayex AY-TR1: automatischer Selbstauslöser für die Kamera

Unsere Nachführung zum Ausgleich der Erddrehung haben wir bewusst zu Hause gelassen, da wir nur mit kleinem Gepäck unterwegs waren und noch nicht sicher war, ob wir überhaupt die Gelegenheit haben, Nachtaufnahmen zu machen.

Sternbildfilter Cokin P830: normaler Weichzeichner – lässt die helleren Sterne größer erscheinen, um Sternbilder erkennen zu können
Die hellen Sterne bilden zumeist auch die uns bekannten Sternbilder. Sie werden in der Dämmerung als erstes sichtbar. Ist es draußen entsprechend dunkel oder bei Langzeitbelichtungen sind deutlich mehr Sterne sichtbar als in Stadtnähe ober bei Dämmerung. Normalerweise erscheinen Sterne selbst in den größten Teleskopen als punktförmige Objekte, sodass kaum ein Unterschied zwischen den hellen Sternen der Sternbilder und den dunkleren Sternen erkennbar ist. Es fällt daher bei lichtstarken Sternaufnahmen entsprechend schwer, die Sternbilder zu identifizieren. Ein Sternbildfilter lässt die helleren Sterne auf den Fotos etwas größer erscheinen. Dadurch lassen sich trotz immenser Sternenfülle auf den Bildern immernoch die Sternbilder ausmachen. Eine solche Aufnahme erscheint dem Auge meist realistischer und angenehmer als ein mit unzähligen winzigsten weißen Pünktchen gesprenkeltes Bild. Bilder ohne Sternbildfilter findet Ihr z.B. im Beitrag Die Milchstraße – Deep-Sky-Fotografie mit einfachen Mitteln.

Aufnahmen des Nachthimmels in Irland

Randbereich der Milchstraße

Die ersten Aufnahmen machten wir direkt nach oben, um das Band der Milchstraße zu fotografieren. Wie bereits beschrieben, sieht man Ende Oktober lediglich die sehr schwachen Randbereiche unserer Galaxie. Leider hat dieses Bild keinen Vordergrund und wirkt daher nicht so imposant. Die Aufnahme ist ein gestacktes Bild aus 5 Einzelaufnahmen mit einer Belichtungszeit von je 30 Sekunden. Eine längere Belichtungszeit ist nicht sinnvoll, da dann bereits Sternspuren durch die Bewegung der Sterne über den Nachthimmel bzw. die Erddrehung sichtbar werden.

Selbst die Randgebiete unserer Milchstraße sind in Irland fernab von Lichtverschmutzung deutlich erkennbar

Selbst die Randgebiete unserer Milchstraße sind in Irland fernab von Lichtverschmutzung deutlich erkennbar

Himmelsausschnitt um die Andromeda-Galaxie

Eine weitere Aufnahme zeigt den Bereich um die Andromeda-Galaxie am Nachthimmel, zusammen mit den Sternbildern Kassiopeia, Pegasus, Andromeda und Perseus. Hier wurden 10 Aufnahmen gestackt mit einer Belichtungszeit zu je 20 Sekunden. Wer möchte, kann gerne versuchen, die genannten Sternbilder zu erkennen und die Andromeda-Galaxie zu finden. Sie ist deutlich auf dem Bild zu erkennen. Ebenfalls sind die beiden offenen Sternhaufen h-Persei und Chi-Persei zwischen Perseus und Kassiopeia zu sehen. Hier wird der Nutzen des Sternbildfilters deutlich erkennbar. Ohne Filter wären alle Sterne in etwa gleich groß und lediglich winzige weiße Punkte. Sternbilder zu erkennen wäre ein fast unmögliches Unterfangen. Eine Vergleichsaufnahme ohne Filter habe ich leider nicht angefertigt.

Die Sternbilder Kassiopeia und Andromeda mit Pegasus, Perseus und der Andromeda-Galaxie

Die Sternbilder Kassiopeia und Andromeda mit Pegasus, Perseus und der Andromeda-Galaxie

Als Auflösung nochmal das gleiche Bild mit markierten Sternbildern und Infos (zum Vergrößern anklicken):

Die Sternbilder Kassiopeia und Andromeda mit Pegasus, Perseus und der Andromeda-Galaxie (mit Beschriftung)

Der Große Wagen

Zum Abschluss unseres nächtlichen Fotoausflugs haben wir noch ein paar Aufnahmen des großen Wagens gemacht. Er stand gerade sehr schön über einem Bauernhaus. Das Bild entstand aus 10 Aufnahmen zu je 20 Sekunden mit Sternbildfilter. Zusätzlich noch eine Aufnahme ohne diesen Filter, um den Vordergrund scharf abzubilden.

Am Horizont erscheint die Lichtemission von Kinvara fast wie ein Sonnenauf- oder -untergang obwohl die Lichter mit dem Auge kaum wahrnehmbar waren. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, sehr weit von jedem Dorf und noch viel viel weiter von jeder Stadt entfernt zu sein, wenn man schöne Aufnahmen von horizontnahen Sternen oder Objekten machen möchte. Leider ist dies bei uns zu Hause in der Nähe von Karlsruhe aufgrund der sehr dichten Besiedlung nicht möglich. Um annähernd dunkle Orte aufzusuchen, wäre zu Hause weit mehr als eine Stunde Autofahrt notwendig.

Da nun auch unser Objektiv langsam aber sicher anfing zu beschlagen und wir sowieso müde von der langen Reise waren, räumten wir unter dem hellen Licht der Sterne alles zusammen, suchten noch einmal alles mit der Taschenlampe ab, um auch nichts zu vergessen oder zu verlieren, und machten uns auf den Rückweg.

Unterwegs hielten wir noch am Dunguaire Castle an, schossen ein paar Nachtaufnahmen und fielen dann müde und halb erfroren in unsere warmen Betten.

Der Große Wagen in Irland. Im Hintergrund die Lichtverschmutzung durch Kinvara und Galway

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